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Bei Forschung in der Höhle verunfallt - Retter proben den Ernstfall im Churfirstengebiet

Tagblatt.ch / Brunner Andreas 02.11.2019

Bei Forschung in der Höhle verunfallt - Retter proben den Ernstfall im Churfirstengebiet

36 Personen beteiligen sich an einer Höhlenrettungsübung beim Appenzeller Schacht im Churfirstengebiet.

Tagblatt.ch

Die Rega benachrichtigt am Samstagmorgen die Speleo-Secours – die Rettungsgruppe der Höhlenforscher. Andy Scheurer nimmt den «Höhlenalarm» entgegen. Scheurer ist einer der sechs Einsatzleiter der Kolonne 7 (Ostschweiz) und Rettungskommissionsmitglied von Speleo-Secours Schweiz.

Was ist geschehen? Eine Dreiergruppe der Toggenburger Gesellschaft für Höhlenforschung (TGH) stieg am Freitagabend um zehn Uhr im Karstgebiet zwischen Brisi und Frümsel in den Appenzeller Schacht ein. Ihr Ziel war es, die Grabaktionen in der 160 Meter tiefen Höhle weiterzuführen. Die drei Kollegen kommen gut vorwärts und der Abstieg erfolgt problemlos. Um drei Uhr morgens legen die drei Kameraden eine Pause ein.

Einer bleibt beim Verletzten, einer alarmiert die Rega

Nach einer Erkundungskletterei fällt einer der drei Höhlenforscher ungesichert fünf Meter in die Tiefe. Der Verunfallte ist bei Bewusstsein, klagt aber über Schmerzen im Brust- und Beckenbereich. Der rechte Arm scheint gebrochen zu sein, möglicherweise auch das rechte Bein. Nach der Erstversorgung des Verletzten verlässt einer der drei Höhlenforscher die Höhle und alarmiert morgens um fünf Uhr die Rega mit dem Stichwort «Höhlenunfall». Der andere Kollege bleibt beim Verunfallten.

Andy Scheurer ruft den Höhlenforscher an, der die Rega alarmiert hat und fragt nach, was genau passiert ist, wo sie sind und um welche Höhle es sich handelt. Der Appenzeller Schacht ist den Rettern noch nicht bekannt, denn sie wird erst erforscht. Andy Scheurer beurteilte den Fall und kommt zum Schluss, dass es drängt. Anschliessend bietet er zwei weitere Einsatzleiter auf. Den einen als «Einsatzleiter Höhle», den anderen als «Einsatzleiter vor Ort». Dazu kommt ein Einsatzleiter, der die Erste-Hilfe-Gruppe leitet. Auch die Frau des Verletzten wird informiert und gefragt, ob der Verletzte Medikamente einnimmt.

250 Kilogramm Rettungsmaterial wird benötigt

Weitere freiwillige Helfer der Kolonne 7 werden aufgeboten. Die Alpine Rettung Schweiz, Region Wildhaus, wird für die Mithilfe des Transports der Helfer und des Materials von Unterwasser hinauf ins Torloch um Hilfe angefragt. Das Rettungsmaterial wird bei der Rega am Standort Mollis abgeholt. Es handelt sich dabei um rund 250 Kilogramm Material.

Die Helfer treffen sich in Unterwasser für ein erstes Briefing. Nach dem Eintreffen beim Einsatzstützpunkt im Torloch werden die einzelnen Helfer in Gruppen eingeteilt. Die Erste-Hilfe-Gruppe geht sofort los, gefolgt von einer Gruppe, die für die Kommunikation aus der Höhle zum Einsatzstützpunkt, verantwortlich ist.

Nach einer Stunde der erste Funkspruch

Inzwischen ist auch der Haupteinsatzleiter Andy Scheurer am Einsatzstützpunkt im Torloch eingetroffen. Nach einer knappen Stunde erfolgte der erste Funkspruch von der Kommunikationsgruppe, dass die Sanitätsgruppe mit der Medizinerin jetzt in der Höhle beim Verletzten ist. Sobald eine Gruppe in die Höhle eingestiegen ist, übernimmt der «Einsatzleiter Höhle» den weiteren Verlauf der Rettung. Unterwegs zum Höhleneingang ist nun auch die Gruppe mit der Bahre, gefolgt von einer Technikergruppe.

Zwei weitere Technikergruppen warten im Torloch auf ihren Einsatz. Am Einsatzstützpunkt geniessen die Höhlenforscher Gastrecht in der Torloch-Alphütte. Mitglieder der TGH, unter der Leitung des Präsidenten Peter Bochsler, sind für die Verpflegung und das Wohlbefinden der Helfer zuständig. «Bis der Verunfallte aus der Höhle transportiert ist, kann es bis in die Nacht hinein dauern», informiert der Haupteinsatzleiter.

Üben für den Ernstfall

An diesem Samstag handelt es sich glücklicherweise nicht um einen Ernstfall, sondern um eine Übung. Deshalb sind in der Höhle auch Beobachter vor Ort. Diese schauen genau hin, wie die Retter handeln. Nach der Übung treffen die Einsatzleiter und Helfer für ein Debriefing zusammen, um die Übung zu analysieren.

An der Übung vom Samstag war auch Marcel Weyermann vom Alpin-Kader der St.Galler Kantonspolizei als Beobachter dabei. Der Austausch mit den Höhlenrettern stand für ihn im Vordergrund. Die Polizei wird bei solchen Unfällen hinzugezogen, um mögliche Tatbestände aufzunehmen. Für die Rettung von Verunfallten sind jeweils die Spezialisten zuständig.